Party On! – Der Wacken Nachbericht 2026

Nach der Party ist vor der Party! Das 35. Wacken Festival (WOA) 2026 ist gerade gerockt und schon stellt sich WOA 2027 mit wunderbaren ersten Bandbestätigungen vor. Aber jetzt noch einmal kurz der Rückblick auf diesen grandiosen Wacken-Sommer.

Als langjährige Festivalgängerin, die inzwischen mehr Wacken-Geschichten gesammelt hat als über jedes andere Festival, lässt sich zum Aufenthalt auf dem Holy Ground unendlich viel Positives berichten. Die Zeit auf dem Campingplatz, im Ort und vor den Bühnen war metallisch intensiv, herrlich laut, friedlich ausgelassen – und doch voller kleiner Momente der Ruhe mitten zwischen Moshpit und Bierbude. 


Schon bei der Anreise war klar: Wacken hat sich wieder etwas weiterentwickelt, ohne seinen Charakter zu verlieren. Das Verkehrskonzept vom letzten Jahr wurde noch weiter optimiert, sodass das Stehen im typischen Festivalstau minimiert wurde. Ok, das bedeutet weniger Dosenbier beim gemeinsamen Warten bei der Zuweisung auf den Campground, aber der Schnack mit den Autofahrer*innen vor und hinter einem wurde schnell ersetzt durch das Kennenlernen der Zeltnachbarn.

Die Wege auf dem Gelände sind von vertrautem Charakter und dennoch macht die neue Beleuchtung der Wege mit dem Farbsystem der Lampen die nächtliche Suche nach dem Camp um einiges leichter und schöner. Auch die ausgebauten befestigten Wege erleichtern das Hin- und Herkommen zwischen den einzelnen musikalischen Attraktionen. Insbesondere für die Menschen mit einem Handicap stellte das eine immense Erleichterung dar. Auf diese Weise steht dem Wiederfinden der Freunde auf der Reise zu den Bühnen nichts im Wege.

Was unserer Festivalnase wohlwollend auffällt: Die Luft riecht herrlich; nach Staub, nach (verbrannten) Grillwürsten, nach Freiheit – ein altbekannter Festival-Geruch, der dieses Jahr wieder die Hauptrolle spielte anstatt der Unwetterartige Regen aus 2025. Die Laune auf dem Holy Ground wird somit sogar beim Atmen besser und die ersten Konzerte können kaum mit mehr Vorfreude erwartet werden. Insgesamt ist das Wacken Open Air ein liebevoll, grandios erschaffenes soziales Zentrum für Metalheads: Small-Talks mit Leuten aus Ländern, die man im Alltag nie treffen würde, aber hier alle durch dieselbe Leidenschaft verbunden sind. Die Veranstalter*innen zaubern für eine Woche ein Paradies für die Metal-Seelen von mehr als 85.000 Menschen. 

Die Atmosphäre ist die ganze Zeit angenehm entspannt und dennoch ausgelassen wild! Auf dem Campingplatz, im Ort, vor den Bühnen und das durch das Mitwirken aller Beteiligten (Besucher*innen, Securities, Mitarbeiter*innen, etc.). Wer noch nicht da war, sollte 2027 unbedingt ihre bzw. seine eigenen wunderbaren Erfahrungen sammeln. 

Das  Wacken-Festival steht für eine breite, inklusive Metal-Landschaft. 2026 war ein Jahr mit vielen großen Headlinern und ein Festival, das die Vielfalt des Genres in vielen kleinen, aber bedeutsamen Momenten zeigte. Von Bands mit Folk-Einflüssen, thrashigen Old-School-Sounds und einfach nur powergeladenen Konzerten ist alles dabei. Wir wünschen uns jedes Mal dieses grandiose Line-Up so in die Länge ziehen zu können, dass wir wirklich überall dabei sein könnten. Die Auswahl wird einem durch die gut gestaltete WOA-App zwar erleichtert, aber sie sagt uns nicht, wie wir an mindestens 6,66 Orten zeitgleich sein können. Zu gut, zu viel, zu schön! Man spürt hier, dass Zeitmanagement eine Kunstform ist: Rechtzeitig zu den Headlindern am Abend starten, aber auch genug Puffer für kleinere Attraktionen einplanen, die einem später noch lange im Gedächtnis bleiben werden.

Was das Festival spezifisch auszeichnet, ist diese Balance zwischen intensiven Live-Momenten und dem ruhigen, fast familiären Feeling. Man baut das Camp auf, bereitet sich auf die nächsten Bands vor, öffnet dabei das Dosenbier und plötzlich ist man wieder Teil eines riesigen Netzwerks aus Menschen mit gleicher, musikalischer Leidenschaft. Trotz der Größe des Festivals mit dessen organisatorischer Komplexität ist die Sicherheit präsent, ohne den freien Fluss des Erlebnisses zu behindern. Die Strukturen rund um Sicherheit, Notfallmanagement und medizinische Versorgung waren sichtbar vorhanden, aber dennoch dezent, sodass man sich nicht kontrolliert, sondern gut betreut fühlte. 

Dieses gerade genannte „Am besten überall gleichzeitig sein“ spielt insbesondere in diesem Sommer unter dem Motto „Party on!“ eine riesen (Wunsch-) Rolle. Vorher wussten wir schon, dass wir unbedingt bei einigen Bands dabei sein wollen. Das sind zum einem die „Wacken-First-Timer“ und zum anderen die großen Jubiläumsshows bzw. die letzten Konzerte wunderbarer Bands.

Beginnen wollen wir mit der großartigen Show von „Heaven Shall Burn“ im urigen Landgasthof direkt in Wacken. Die Band hat dort in kleinem Rahmen und für den guten Zweck (Support der Blutspenden-Aktion „Pay With Your Blood“) den Club auseinander genommen. Im Jahr 2027 werden sie dann wieder auf der großen Bühne auftreten und das Publikum zum mit moshen anstiften. Das wird ein Fest!

Ihren Abschied feierten „Sepultura“, „Rose Tattoo“ und „Running Wild“ in Wacken. Die Stimmung war jeweils gigantisch, obwohl das ein oder andere lachende bzw. weinende Augen sicherlich dabei waren, wenn man bedenkt, wie viele tolle Geschichten diese Bands mit den Besucher*innen teilen und jetzt als Erinnerungen im Herzen getragen werden.

Ein neues, jetzt schon unvergessliches Erlebnis stellte der Auftritt von dem Wacken-First-Timer „Def Leppard“ dar. Die Vorfreude auf diesen Gig wurde nicht enttäuscht und das Publikum sowie die Band waren ergriffen von der musikalischen Darbietung bzw. der Atmosphäre. Ebenfalls das erste Mal in Wacken waren die „H-Blockx“. Die Crossover-Band verwandelte den Vorplatz der „Louder-Stage“ in ein emotionsreiches Moshpit. Die Band lud ein sich an die eigene Jugend in den 1990er Jahren zu erinnern mit Songs, wie „Risin’ High“ oder „Move“. Dazu gab es ehrliche Worte vom Sänger Henning Wehland zu seiner eigenen Geschichte und den Aufruf auf sich und seine Freunde acht zu geben insbesondere, wenn das Bier vom Festival im Alltag keine Grenzen mehr erhält.

Eine weitere Reise in die Vergangenheit wurde von „P.O.D“ angestoßen. Die US-amerikanische Nu-Metal-Band  spielte ein grandioses Set vor zahlreichen Fans, die ihre Füße nicht still am Boden lassen konnten. Die „Louder-Stage“ wurde ebenso gerockt, wie der Bereich davor. Die Bühnenshow und die „Moshpit-Show“ fanden auf gleichem Niveau statt und so dürfte auch die Band Spaß dabei gehabt haben sich das Spektakel anzusehen. 

Die „Louder-Stage“ zeigte sich auch bei weiteren Konzerten als ein Platz der friedlich, wilden Eskalation. Die Auftritte von „Hatebreed“ oder „Paleface Swiss“ glichen einem Hardcore-Workout mit allerbesten musikalischen Endorphinen. Die Stage wurde aber nicht nur für Hardcore, Crossover, Nu-Metal etc. genutzt auch Bands, wie „Mantar“ fanden dort ihren Platz. Die Musiker faszinierten mit ihrer zwei Mann Performance eine breite Masse und standen den großen Kapellen Sound- und Energietechnisch in nichts nach. „Mantar“ sorgte einfach für Begeisterung und das obwohl „Danko Jones“ zeitgleich auf der „Harder-Stage“ spielten. Für beide Gigs waren mehr als genug Fans da. Der Zeitrahmen hätte für einige Wacken-Besucher*innen allerdings etwas auseinander gezogen sein dürfen, aber lieber zu viel gutes Angebot als zu wenig.

Insgesamt ist zu sagen, dass wir in diesem Jahr egal von welchem Auftritt und egal von welcher Bühne mit der jeweiligen Sound- und Lichtperformance nur Bombastisches erleben konnten. Das Jubiläumsjahr hat mit seinem Zauber für eine 110% Leistung aller Beteiligten gesorgt. Keine Ahnung, wie das möglich war, aber unsere einzige und zudem auch sehr subjektive Kritik gilt der ausgeschenkten Biermarke. Unserem Bierverwöhnten Festivalgaumen ging das diesjährige Ausschankprodukt etwas weniger genussvoll die Kehle runter als die liebgewonnen Marken der letzten Jahre. Was aber wirklich klasse war, ist die logistische Getränke-Organisation der WOA-Veranstalter*innen. Es gab neben den zahlreichen Tresen und den starken Bierrucksack-Verteilern vor den Bühnen (wir lieben es!) in diesem Jahr auch eine „Selbst Zapfanlage“. Wir waren begeistert von dieser Art der Bier-Fastlane und der einfachen Bedienung der Technik. Zack das Armband mit dem Cashless-Chip an das Display gehalten und der Festivalbecher füllte sich in Windeseile mit frischem, kühlem Bier. Magisch!

Apropos, Verzaubern. Da sind die Dinosaurier von „Heavy Saurus“ zu nennen. Die Uhrzeitgiganten verwandelten in einer Mittagsshow das Infield in eine glückliche Masse aus kleinen und großen Metalfans. Diese Show wurde extra für die ansässigen Familien geöffnet und durfte natürlich auch von den „normalen“ WOA-Metalheads besucht werden. Das kindgerechte Konzept (es gab einen extra Kinderbereich vor der Bühne und einen hoch gehängten Plüschbären als Treffpunkt für verlorene Kinder) wurde durch guten Sound, bunte Pyrotechnik und Konfetti abgerundet. Die Stimmung, in dem sonnigen Infield, war Dino-stark!

Anderes Genre, ähnliches Setting und ebenso ausgelassene Stimmung bot die Vormittagsshow von „Gutalax“. Diese riesige Kloparty kann man mit dem Wort „Abriss“ gar nicht mehr beschreiben. Es flogen Klobürsten und -rollen, Dixies mit Discokugeln schmückten die Bühne, die Band und teilweise das Publikum trugen weiße Overalls und es wurde wild performt. Wer die Band noch nicht gesehen hat, sollte das schnell nachholen und sich zumindest auf den digitalen Wegen einen Eindruck verschaffen. Ihr werdet staunen! 

Aus dem Staunen kam das Publikum die ganze Wacken-Woche auch gar nicht mehr raus. Viele Bands boten neben dem musikalischen Auftritt eine fabelhafte Feuershow mit Raketen und allem Drum und Dran. Alleine das Feuerwerk bei „Sabaton“ reichte für mindestens 6 Jahre teuflisch schönes Silvester. Der Auftritt war von Beginn an erstklassig! Von Songauswahl bis hin zu Publikumsansprachen merkte man, dass die Bandmitglieder die Zeit auf dem Holy Ground selbst genauso feierten, wie die Metalheads im nächtlichen Infield. Es ist auch immer ein Beweis der Wacken-Liebe, wenn Bands wie „In Flames“, „Powerwolf“, etc. Geld von ihrer Gage dafür aufwenden, das Konzert durch eigene Feuershow-Investitionen noch aufzuwerten. Wir sehen das als höchsten Respekt für die Metalfans vor Ort und sagen: Danke!

Die Freude der Bands auf den knapp 10 Bühnen war Allgegenwärtig. Alleine der Auftritt der australischen Hard-Rock-Band „Airbourne“ war ein Fest der puren Lebensfreude und strotze nur vor Energie. Wahnsinn, was Joel O’Keeffe in seinen Minuten auf der großen Stage neben seinem Gesang noch alles darbot. Er war ein einziges Feuerwerk!

Die meisten Besucher*innen haben den Großteil der Zeit im Infield verbracht. Das Wetter stimmte, die Erweiterung der (sogar teilweise überdachten) Sitzmöglichkeiten, das gute Essens- und Trinkangebot sowie das an vielen Ständen zelebrierte Motto „Party on!“ luden zum Verweilen ein. Auf diese Weise konnte immer zwischen den Konzerten Energie getankt werden und mit Fans aus unzähligen Ländern ein kleines Gespräch geführt werden. Wacken bringt die Welt zusammen!

Was auch weltweit funktioniert ist Metal! Das wissen auch die WOA-Veranstalter*innen und luden in 31 Ländern zum „Metal Battle“ ein. Der Gewinner in diesem Jahr kommt aus Chile und heißt „Force“.  Das Voting bot ein klares Ergebnis. Sowohl die Stimmen des Publikums vor Ort sowie im Internet als auch das Voting der Jury lagen dicht beieinander und so wurde die Glam-Hard-Rock-Band zum eindeutigen Sieger 2026. Ebenfalls sehr interessant waren die Auftritte von „Ashed Winter“ (Frankreich), „Given by the Flames“ (Japan) und „Death Row“ (Bulgarien). Nur um einige zu nennen, die auch nach Wacken in eure Playlist wandern sollten.  

Wacken 2026 war wieder eine Reise der musikalischen Leidenschaft in allerbester Gemeinschaft und unter besten organisatorischen Voraussetzungen.  Für uns ist es beruhigend zu sehen, wie sich das Festival weiterentwickelt, ohne seine Metal-DNA zu verlieren. Die Offenheit gegenüber Subgenres, die friedliche Atmosphäre, das Gefühl, Teil einer großen Metal-Familie zu sein. Das kann nur das Wacköööööön!

Wenn ich euch einen Rat geben darf: Plant klug, aber lasst Raum für Zufälle. Kommt früh zum Campen, genießt die Zeit in vollen Zügen und bestellt euch jetzt schon ein Ticket damit das Ziel sichtbar deinen Winter zu Hause aufheitert.  


Wir freuen uns wahnsinnig auf das nächste WOA und die ersten Gitarrenriffs auf den Bühnen, die die Luft erneut in Schwingung versetzen werden. Ach ist das schön!

 

SEE YOU IN WACKEN- RAIN OR SHINE

Eure B.